„Muss nur noch kurz die Welt retten“ - der bekannte Song aus dem Radio könnte auch zu Menschen wie Matthias Kleiböhmer passen. Der 36-jährige leitet die Aktion „Gospel für eine gerechtere Welt“. Seine Mission: Gospel macht den Unterschied.
Die Aktion Gospel für eine gerechtere Welt läuft seit dem letzten Gospelkirchentag in Karlsruhe. Was ist seit dem passiert? Über 200 Chöre waren beim ersten Gospelday dabei, außerdem haben wir Infoabende ei 20 Chören durchgeführt, die mehr wissen wollten. Wir wurden zu Festivals eingeladen, es gab etliche Benefi zkonzerte. Und es gibt immer mehr Botschafter, die sich für die Aktion einsetzen.
Die Aktion begann mit einem Paukenschlag: In drei Tagen wurden 50.000 € für ein Brunnenprojekt in Burkina Faso gespendet. Läuft das Projekt noch? Wir haben das Spendenergebnis beim Abschlussgottesdienst in Karlsruhe bekannt gegeben – den Jubel vergesse ich nie! Das Geld ist inzwischen angekommen, die Brunnen sind im Bau. Auch wenn die Brunnen damit fi - nanziert sind, läuft das Projekt weiter. Das zeichnet ja die Arbeit von „Brot für die Welt“ aus: nachhaltige Entwicklung mit Partnern vor Ort. In unserem Fall zählen auch Schulungen für neue Anbaumethoden dazu, Schutz vor Bodenerosion und vieles mehr. „WIR MÜSSEN GRUNDLEGEND ETWAS VERÄNDERN, UND DAS DARF AUCH AN DIE SCHMERZGRENZE GEHEN.“
Also mal wieder eine Spendenaktion? Nein. Wenn wir etwas daran ändern wollen, dass fast jeder sechste Mensch hungert, muss mehr passieren. Mit „Gospel für eine gerechtere Welt“ wollen wir vor Ort helfen und über die Ursachen von Hunger und Klimawandel informieren. Spenden ist gut und wichtig und es wird Teil der Aktion bleiben. Es macht aber keinen Sinn, den Hunger in der Welt mit Spenden zu bekämpfen und ihn auf der anderen Seite mit unnötigen Autofahrten oder hohem Energieverbrauch zu fördern.
Bist Du ein Öko? (Lacht) Weil ich ein grünes Hemd trage? Nein! Aber ich pendle mit dem Zug und nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit, weil ich langsam verstanden habe: Wir müssen grundlegend etwas verändern, und das darf gerne auch an die Schmerzgrenze gehen. Gospel ist für mich kein Happy- Kläppi. Wir haben eine Verantwortung für die Hungernden, gerade weil wir von einer gerechteren Welt singen.
Hast Du ein Beispiel? Wieviele brauchst du? „May the Lord send Angels“ – was ist, wenn Gott Dich als Engel in Anspruch nimmt? Sagst du dann „Warte, ich muss erst noch ein Solo singen?“ Oder nimm „This Little light of Mine“. Das geht auf die Aufforderung Jesu zurück, dein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern die Liebe Gottes durch dich spürbar werden zu lassen. Oder „Oh Happy Day“: Jesus macht mich frei! Was für eine Nachricht! Aber was mache ich damit? Golf spielen? Kurz und gut: Du kannst nicht die Hände im Himmel haben und das Leid in der Welt anderen überlassen. Hat Jesus auch nicht gemacht. Wir wollen Anregungen geben, wie so etwas im Alltag konkret aussehen kann.
Und das kommt an? Einige hundert Chorleiter und über 7.000 Sängerinnen haben den Gospelday unterstützt. Unglaublich! Gospel ist ja mehr als Musik, eine Lebenshaltung. Das macht unsere Aktion deutlich, darauf haben viele gewartet. Der erste Fan dieser Aktion war übrigens Hans Christian Jochimsen, der auch den Song zur Aktion geschrieben hat. Unser Songbook haben noch andere unterstützt, Hanjo Gäbler, Niko Schlenker und Helmut Jost, der sich in Entwicklungsfragen besser auskennt als ich. Der hat mir deutlich gemacht, dass wir Hilfe brauchen. „GOSPEL IST JA MEHR ALS MUSIK, EINE LEBENSHALTUNG.“ Hilfe wobei? Na ja, wie man das macht: die Welt verändern. „Brot für die Welt“ und der Evangelische Entwicklungsdienst, die KD Bank für Kirche und Diakonie und die Bruderhilfe Pax Familienfürsorge - das sind alles Organisationen, die Möglichkeiten dazu bieten. Zum Beispiel nachhaltige Geldanlage: Deine Bank legt dein Geld an, damit es es sich vermehrt. Wie fi ndest du das, wenn damit Waffen gebaut, Kinderarbeit unterstützt oder die Umwelt zerstört wird? Ich wusste früher gar nicht, dass es dazu Alternativen gibt. Gospelkirchentag Dortmund 2012 – wie geht es weiter mit der Aktion? Wir werden ein großes Gospelfest feiern! Es wird neue Songs geben, eine Einstimmung auf den nächsten Gospelday. Und eine gemeinsame Aktion. Die ist noch geheim - also sag es nicht weiter ...
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