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Ihre Karriere begann als Schülerband. Schon bald verbannten die Wise Guys ihre Instrumente in den Keller und entwickelten ihren unverwechselbaren Vocal-Pop. In leicht veränderter Besetzung geben sie inzwischen etwa hundert Konzerte im Jahr. Bandmitglied Nils Olfert nahm sich Zeit für ein Interview.
Habt ihr als Band eine Botschaft, die ihr den Leuten vermitteln wollt? Eine eindeutige Botschaft würde ich so nicht sagen. Wir wollen vermitteln, dass es Spaß am Singen gibt. Es gibt sehr viele Leute, die bei unseren Konzerten sehr schnell die Texte können. Gerade wenn ein Album neu rausgekommen ist, wie im vergangenen Jahr „Klassenfahrt“, dann wundern wir uns schon teilweise, dass die Leute kurze Zeit nach Erscheinen des Albums schon sehr textsicher mitsingen auf den Konzerten, was sehr angenehm ist.
Wie erklärst du dir, dass eure Lieder bei allen Generationen gut ankommen? Ich glaube, dass die Themen, die wir in unseren Liedern ansprechen, irgendwie alle ansprechen. Es sind Situationen, die jeder schon mal irgendwie erlebt hat, sei es das Einkaufschaos bei Ikea oder eine Trennung …
Welches Wise-Guys-Lied ist dein Lieblingslied und warum? Es gibt im Moment eigentlich zwei Lieblingslieder. Eins, das schon ein bisschen älter ist, ist „Radio“. Von den neuen Liedern ist gerade „Hamlet“ mein Favorit, weil ich da auf der Bühne einen Rapper darstellen kann, das macht unheimlich Spaß.
Ihr tretet auch ab und zu auf Kirchentagen auf. Wie ist es dazu gekommen? Wir sind keine christliche Band, aber wir vertreten christliche Grundwerte. Und irgendwann sind wir mal angesprochen worden, ob wir nicht Lust hätten, auf dem Kirchentag aufzutreten. Außerdem haben wir gemerkt, dass es eine sehr große Überschneidung des Publikums gibt, das sich auf Kirchentagen aufhält und das in unsere Konzerte kommt. Die teilen auch diese Werte.
Was meinst du mit „christliche Grundwerte“? Das soziale Zusammenhalten, wenn man merkt, dass es anderen Leuten nicht so gut geht und man versucht, sie zu unterstützen.
Was gibt dir Hoffnung für dein Leben? Mir gibt es immer wieder Hoffnung, wenn ich merke, dass durch Kleinigkeiten sehr viel bewegt werden kann. Wir haben zum Beispiel mal eine Mail bekommen von einem Mädchen, die sehr schwer an Krebs erkrankt war. Wir waren bei ihr zu Hause und haben ihr einfach nur ein bisschen Zeit geschenkt. Das hat ihr sehr, sehr gut getan. Leider ist sie dann nach ein paar Wochen gestorben. Aber trotzdem hat uns allen dieser Tag sehr viel Hoffnung gegeben. Ihre Familie erzählte uns, dass dieser Besuch ihnen viel Kraft gegeben hat. Eigentlich war es nur eine kleine Geste, bei jemandem persönlich vorbei zuschauen, nur anwesend zu sein und damit so viel Freude zu verschenken. Das gibt mir Hoffnung. Aus kleinen Gesten heraus kann sehr viel entstehen.
Der Gospelkirchentag steht auch unter dem Motto „Gospel für eine gerechtere Welt“. Auch ihr engagiert euch sehr viel für die Dritte Welt. Warum? Wir finden dass es wichtig ist, wenn es einem selber gut geht, an die zu denken, denen es nicht so gut geht. Es ist für uns so etwas wie eine soziale Verantwortung, die wir denjenigen gegenüber haben, denen das Leben nicht so gut mitgespielt hat. Des weiteren finde ich auch, dass wir so eine Art Vorbildfunktion haben. Da wir in der Öffentlichkeit stehen, können wir andere Leute dazu animieren, sich auch sozial zu engagieren. Das muss nicht immer das große Hilfsprojekt in der Dritten Welt sein. Es reicht schon wenn man sich in seiner Nachbarschaft um die kümmert, die es vielleicht nicht so gut haben.
Habt ihr schon einmal in einem Chor gesungen? Ich glaube, soweit ich das weiß haben alle aus unserer Gruppe schon in Chören gesungen. Mein musikalischer Werdegang hat sogar in einem Chor begonnen. Ich fing als sechsjähriger Junge im Kieler Knabenchor an und habe dort bis zum Stimmbruch gesungen. Ein paar Jahre später habe ich dann mit meinem damaligen Klavierlehrer einen kleinen Gospelchor gegründet. Der Bestand dann bis zum Anfang des Studiums. Danach haben wir uns leider aufgelöst, da alle Sänger/Sängerinnen in verschiedene Städte zum Studieren gegangen sind.
Ist es denkbar, dass man eure Songs in einem Chor singen könnte? Natürlich, warum nicht. Wir sind ja schließlich streng genommen auch ein Chor. Es gibt sogar Partituren einiger Songs von uns, die für gemischten Chor ausgelegt sind.
Könnt ihr euch auch vorstellen, einen Gospel zu singen? Welcher Gospel wäre das? Ich persönlich könnte mir das schon vorstellen. Wie das mit den anderen Jungs ist weiß ich nicht, wir haben noch nicht darüber gesprochen. Ich persönlich finde „Amazing grace“ sehr schön, auch wenn man dieses Lied schon sehr oft gehört hat. Was erwartet die Zuschauer des Gospelkirchentags am 2. Juni 2012 in der Westfalenhalle Dortmund beim Wise Guys Konzert? Auf jeden Fall eine Menge gute Laune, viele neue, tolle Lieder und wer weiß, vielleicht auch einen Gospel von den Wise Guys.
Vielen Dank und weiter viel Erfolg!
Interview: Anke Becker (Redaktion Lebenslust), Sebastian Sendzik (Redaktion Gospelkirchentag Aktuell) |